Sparkasse erhöht Kontogebühren trotz Rekord-Einnahmen: Was Kunden jetzt prüfen sollten
Der Brief sieht aus wie jeder andere Brief der Sparkasse. Ein kleines, rotes „S“, ein paar Seiten Kleingedrucktes, irgendwo auf Seite zwei das Wort „Preisanpassung“. Wer ihn öffnet, sucht zuerst die Zahl: Wie viel teurer wird es? Meist sind es ein, zwei Euro im Monat, zu wenig für einen Wutanfall. Lesenswerter ist der Absatz davor, in dem die Sparkasse erklärt, warum sie mehr Geld braucht.
Denn diesen Satz gab es vor ein paar Jahren schon einmal, nur mit anderem Inhalt. Damals klang er einleuchtend. Heute passt er nicht mehr zu dem, was die Sparkassen selbst über ihre Geschäfte berichten.
Was die Sparkasse gerade ändert
Zunächst eine Sache, die viele nicht wissen: „Die Sparkasse“ gibt es nicht. Es gibt Hunderte davon. Jede Sparkasse ist rechtlich ein eigenes Unternehmen und legt ihre Kontomodelle, Kartenpreise und Buchungsentgelte selbst fest. Wer in Köln Kunde ist, bekommt deshalb nicht automatisch denselben Brief wie jemand in Ostwestfalen. Er bekommt irgendwann seinen eigenen.
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In Herford ist dieser Brief schon angekommen. Seit dem 1. Mai 2026 kostet das Modell MeinGiroKomfort dort 4,50 Euro statt 3,50 Euro im Monat, das Premiumkonto 16,90 Euro statt 13,90 Euro. Betroffen sind rund 145.000 Privatkunden, und die Sparkasse betont, es sei die erste Anpassung seit über zehn Jahren. Auch Bielefeld und Bamberg haben Änderungen angekündigt, bei der Sparkasse Westerwald-Sieg sind sie bereits wirksam. Nicht überall steigt einfach nur der Grundpreis: Manche Kunden zahlen künftig zusätzlich für Buchungen, Überweisungen oder Karten. Die Kosten sind für die meisten Kunden erst auf dem Kontoauszug zu sehen und nicht schon im Brief.
Warum das Konto überhaupt Geld kostet
Wer älter als 35 ist, erinnert sich vielleicht noch: Das Girokonto war lange so etwas wie der Kugelschreiber am Bankschalter. Es lag einfach da und kostete nichts. Dann kamen die Jahre der Nullzinsen, und plötzlich stand auf dem Kontoauszug jeden Monat ein Betrag, der vorher nicht da war.
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Das Statistische Bundesamt hat die Entwicklung nachverfolgt. Von 2015 bis 2019 stiegen die Preise für die private Kontoführung um insgesamt 25 Prozent. Allein 2019 lag das Plus bei 4,7 Prozent, während die Verbraucherpreise insgesamt nur um 1,4 Prozent zulegten. Die Statistiker lieferten auch gleich die Begründung mit: Den Banken fehlten vermutlich Einnahmen aus Einlagen, Geldanlagen und Krediten. Früher habe dieses Geld das Privatkundengeschäft quersubventioniert. Nun müssten Filialen, Technik und Personal eben über Kontogebühren bezahlt werden.
Das war ein Argument, das man schlucken konnte. Ohne Zinsen kein Geschäft, ohne Geschäft keine Filiale. Viele Kunden murrten und zahlten. Doch dann änderte sich etwas.
Dann kamen die Zinsen zurück
Ab 2022 hob die Europäische Zentralbank die Zinsen an, und die Sparkassen verdienten wieder richtig Geld mit dem, was Banken seit jeher tun. 2023 legte ihr Zinsüberschuss um 35 Prozent zu, 2024 stieg er noch einmal leicht. Der Sparkassenverband nennt ihn für 2025 stabil.
Gleichzeitig wuchs die zweite Einnahmequelle, die Provisionen. Das sind Gebühren und Entgelte aller Art, vom Girokonto bis zum Wertpapierdepot. 2024 stieg der Provisionsüberschuss der Sparkassen um mehr als sechs Prozent auf über zehn Milliarden Euro. Laut Verband hat er seither neue Höchststände erreicht. Das Beratungshaus Barkow Consulting hat errechnet: Seit 2005 sind die Provisionserträge der Sparkassen um 101 Prozent gestiegen. Bei den Volksbanken waren es 74 Prozent, im gesamten deutschen Bankensektor 57 Prozent.
235 Euro pro Sparkassen-Kunde
Die Sparkassen führen mehr als 42,5 Millionen Girokonten. Teilt man die Provisionen durch diese Zahl, landet man rechnerisch bei mehr als 235 Euro pro Konto und Jahr. Das ist nicht das, was jeder Kunde an Kontogebühren zahlt, denn darin stecken auch Geschäftskunden, Depotgebühren und Vermittlungsprovisionen. Es zeigt aber, wie viel Geld inzwischen über diesen Weg fließt. Das operative Ergebnis vor Bewertung lag 2025 bei über 18 Milliarden Euro.
Die Zinsen sind also zurück, die Provisionen auf Rekordniveau. Und die Kontogebühren? Die steigen weiter. Nur steht im Brief jetzt ein anderer Grund. In Herford sind es gestiegene Ausgaben für IT, Sicherheit und Personal, etwa für Videoberatung und den Schutz vor Phishing. Vor ein paar Jahren fehlten die Zinsen, heute kostet die Technik mehr. Das Argument wurde ausgetauscht, der Preis ist geblieben, wo er war: auf dem Weg nach oben.
Fair ist: Die Kosten sind nicht erfunden. Die Sparkassen haben ihren Verwaltungsaufwand 2025 um 1,2 Milliarden Euro auf 23,5 Milliarden Euro erhöht. Phishing-Schutz und Online-Banking gibt es nicht umsonst. Die Frage ist nur, warum ein Institut mit Rekord-Einnahmen diese Rechnung Posten für Posten an den Kunden weiterreicht. Auf der Verbraucherseite der Sparkassen findet sich dazu ein Satz, den man sich einrahmen sollte: „Qualität hat immer und überall ihren Preis.“ Das stimmt. Vor ein paar Jahren hieß dieser Preis nur noch Nullzins.
Was Kunden jetzt tun können
Seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2021 dürfen Banken Preise nicht mehr einfach dadurch erhöhen, dass der Kunde schweigt. Sie brauchen seine Zustimmung. Auch die Sparkassen weisen selbst darauf hin, dass niemand einer Preiserhöhung zustimmen muss. Aber: Wer ablehnt, muss damit rechnen, dass die Sparkasse das Konto kündigt.
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Bevor es so weit kommt, lohnt ein Blick ins eigene Preis- und Leistungsverzeichnis. Wichtig sind der Grundpreis, die Kosten pro Buchung und der Jahrespreis für die Girocard. Oft gibt es bei derselben Sparkasse mehrere Modelle, und das teuerste ist nicht automatisch das beste für den eigenen Alltag. Wer wenig bucht und fast alles online erledigt, zahlt im Komfortkonto womöglich für Leistungen, die er nie nutzt.
Und wer die Nase voll hat, kann wechseln. Banken sind gesetzlich verpflichtet, beim Kontoumzug zu helfen, samt Daueraufträgen und Lastschriften. Und das ist weniger aufwendig, als viele glauben.

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