Huawei Watch 6 Pro Test: Die schönste Huawei-Uhr hat einen Haken
Huaweis klassische Watch-Reihe kommt mit einer Neuauflage nach Europa. Mit der Huawei Watch 6 Pro will der Hersteller knapp eineinhalb Jahre nach Vorstellung der Watch 5 zeigen, dass er nicht nur ausdauernde Sportuhren, sondern auch noch vollwertigere Smartwatches mit eSIM-Unterstützung, WLAN und Premium-Materialien bauen kann. Ich habe in den vergangenen Wochen die größere 46-mm-Version im Alltag getragen, die parallel zu einer 43-mm-Variante in Deutschland eingeführt wird. Die Uhr sieht – man muss das in diesem Superlativ schreiben – hervorragend aus und kann viel. Dafür verlangt sie aber einen Tribut, den besonders Umsteiger von der GT-Reihe deutlich spüren werden.
Design und Verarbeitung: Titan, Keramik und Saphirglas
Die kleine Variante der Huawei Watch 6 Pro hat ein Keramikgehäuse. Bei der 46-mm-Version besteht die Front hingegen aus Titan und nur die Rückseite aus Keramik. Das Gehäuse der von mir getesteten Space Edition ist rund 11 mm dick und wiegt mit Armband 106 Gramm. Sie ist also kein Leichtgewicht, sondern durchaus am Handgelenk zu spüren. Die Smartwatch kombiniert ferner eine schmale schwarze Keramiklünette mit goldfarbenen Akzenten und einem Titanarmband.
Verarbeitung und Materialwahl vermitteln ein durchweg hochwertiges Finish. Die Uhr ist in der Gesamtbetrachtung eher ein klassischer Zeitmesser als ein Fitness-Gadget und passt zum Anzug ebenso wie zur Jeans. Bedient wird sie primär über den Touchscreen. Aber auch über eine drück- und drehbare Krone und eine Seitentaste. Neu ist der X-TAP-Sensor an der Gehäuseseite, auf den ich später im Gesundheitsteil dieses Testberichts noch näher eingehe.

Wasserfest ist die Uhr nach 5 ATM und IP69. Huawei gibt sie sogar fürs Freitauchen (Apnoetauchen) bis 40 Meter frei. Als Tauchcomputer beim Sporttauchen solltest du sie aber nicht verwenden.
Ein wichtiger Haken steht zudem im Kleingedruckten: Titan- und Keramikarmbänder sind laut Hersteller nicht fürs Schwimmen oder schweißtreibende Sporteinheiten gedacht. Nach Kontakt mit Wasser oder Schweiß können Flecken am Gehäuse oder Armband entstehen, die wir im Test aber problemlos mit einem feuchten Tuch wieder entfernen konnten.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte auf eine Alternative ausweichen. Huawei legt der Space Edition im Lieferumfang ein zusätzliches Fluorelastomer-Armband bei, das für den Einsatz beim Sport besser geeignet ist.
Display: Strahlend hell, aber ein Magnet für Fingerabdrücke
Das 1,5 Zoll große LTPO-2.0-AMOLED-Display löst mit 466 × 466 Pixeln auf, das ergibt 310 ppi. Die Darstellung ist scharf, Farben leuchten kräftig und Schwarz ist wirklich schwarz. Huawei nennt eine Spitzenhelligkeit von 3.500 Nits. Ein Umgebungslichtsensor passt die Helligkeit automatisch an. Wer es anders mag, kann die Displayhelligkeit auch stufenlos manuell einstellen. Im Alltag lässt sich der Bildschirm ohne nennenswerte Einschränkungen gut ablesen. Auch bei starker Sonneneinstrahlung. Allerdings musst du zuweilen damit leben, dass der Bildschirm stark spiegelt.

Weniger schön: Das Saphirglas ist zudem ziemlich anfällig für Fingerabdrücke. Schon nach wenigen Wischgesten sieht die Uhr verschmiert aus, was gerade bei einem so edlen Gerät stört. Ein Mikrofasertuch in der Tasche ist bei der Huawei Watch 6 Pro keine schlechte Idee.
Das Scrollen durch die Menüs klappt ruckelfrei. Der integrierte Prozessor (Kirin W80) verrichtet in der Huawei Watch 6 Pro Arbeit auf Topniveau. Alles andere wäre bei einer Premium-Smartwatch wie dieser aber auch eine große Überraschung gewesen.
Smarte Funktionen: Hier spielt die Watch-Reihe ihre Stärken aus
Der größte Unterschied zur GT-Serie zeigt sich bei den smarten Funktionen. Die Watch 6 Pro unterstützt zum Beispiel eSIM. Du kannst also über eine integrierte virtuelle SIM-Karte telefonieren und erreichbar bleiben, während das Smartphone zu Hause liegt. Huawei bietet dafür zwei Varianten an. Bei „One Number“ teilt sich die Uhr die Rufnummer mit deinem Handy, bei der unabhängigen Nummer bekommt sie eine eigene. Nutzt du One Number, schaltet sich das Mobilfunknetz der Uhr ab, sobald sie mit dem Smartphone verbunden ist.
Hinzu kommen WLAN mit 2,4 und 5 GHz, NFC für mobiles Bezahlen und Bluetooth 5.2. Kontaktlos bezahlen klappt in Deutschland allerdings nur über Curve Pay. Das funktioniert, ist aber ein etwas umständlicher Umweg über einen Drittanbieter statt einer direkten Einbindung. Über die sogenannte AppGallery lassen sich weitere Drittanbieter-Apps installieren. Wahlweise über die Uhr selbst oder über die Huawei Health App. Die Auswahl ist aber deutlich kleiner als etwa bei Wear OS oder watchOS.

Neu sind auf der Smartwatch zudem Gesten, die wir im Alltag aber trotz Einrichtung kaum bis gar nicht genutzt haben. So kannst du unter anderem Anrufe annehmen oder die Smartphone-Kamera auslösen, ohne die Anzeige der Uhr berühren zu müssen. Später soll nach einem Update eine Handgelenk-Drehung ausreichen, um die Uhr bei eingehenden Anrufen stummzuschalten. Ebenfalls später soll der Safety-Check folgen. Damit ist es möglich, deinen Standort und Status mit ausgewählten Kontakten zu teilen.
Die Uhr ist mit Android ab Version 9 und iOS ab Version 13 kompatibel. Der Funktionsumfang kann laut Huawei aber je nach Smartphone variieren. Die vollumfängliche Unterstützung aller Funktionen gibt es nur, wenn du ein Huawei-Smartphone verwendest.
Gesundheit: Health Glance mit X-TAP
Das Aushängeschild der Watch 6 Pro ist Health Glance. Du legst den Zeigefinger auf den X-TAP-Sensor zwischen Krone und Menütaste und erhältst innerhalb von knapp 60 Sekunden einen Gesundheitsüberblick. Dafür kombiniert Huawei einen PPG-Sensor mit 12 statt in vorherigen Smartwatch-Modellen 4 Kanälen und einen Drucksensor mit 20 statt 10 Stufen. Je nach Region zeigt die Uhr laut Huawei 11 bis 14 Werte an.
In Deutschland sind es gegenwärtig laut unseres Tests zwölf Werte. Dazu gehören unter anderem Herzfrequenz, EKG, Blutsauerstoff, Arteriensteifigkeit, Schlafatmung, Stress, Hauttemperatur und Herzfrequenzvariabilität. Zumindest theoretisch. Denn eine Messung tatsächlich erfolgreich durchzuführen, erweist sich als oft gar nicht so einfach. Immer wieder zeigte die Uhr im Test den Hinweis „Schlechter Kontakt mit dem X-TAP-Sensor“ an. Entsprechend ungenau fielen anschließend die gemessenen Werte aus.
Ergänzt wird die Health-Glance-Funktion durch die App „Gesundheitseinblicke“ mit einem morgendlichen Readiness-Wert, der Schlaf, Erholung und Belastung zusammenfasst. Dazu kommt Healthy Living: die bekannte Kleeblatt-Übersicht für Schlaf, Bewegung und Emotionen. Regional, bisher aber nicht in Deutschland, erhält sie ein viertes Blatt für die Ernährung, inklusive Protokoll für Mahlzeiten. Möglich, dass dies im Zuge eines Updates zeitnah auch hierzulande nachgeliefert wird.

Sport und Outdoor: Expedition-App exklusiv für die Pro
Beim Sport bietet die Watch 6 Pro über 100 Trainingsmodi, 20 davon mit erweiterten Profi-Funktionen. Radfahrer bekommen etwa Steigungswerte in Echtzeit und eine Vorschau auf kommende Anstiege. Wintersportler erhalten Indoor- und Outdoor-Skimodi samt Pistenkarten für über 3.000 Skigebiete. Dazu kommen Golf, Trailrunning und, wie eingangs erwähnt, ein Sportprofil für Freitauchen.
Der Pulsmesser auf der Rückseite der Smartwatch erledigt seine Arbeit im direkten Vergleich mit einem Brustgurt ordentlich, aber nicht auf Spitzenniveau. Das kann aber dem Gliederarmband geschuldet sein, das im Test etwas zu viel Spiel hatte. Das Armband zu kürzen, war für diesen Test nicht möglich. Denn mit einem Glied weniger wäre das Armband für das Handgelenk des Testers zu eng gewesen.
Die Satellitenortung arbeitet mit Dualband-GPS sowie GLONASS, BeiDou, Galileo und QZSS. Das GPS-Pairing klappte im Test binnen weniger Sekunden. Training auswählen, kurz warten und die Verbindung zu den Ortungssatelliten ist hergestellt. Die sehr ordentliche GPS-Genauigkeit stieß eigentlich nur bei scharfen Kurven an ihre Grenzen.

Interessant ist auch die neue „Expedition“-App. Sie hilft bei Wanderungen und Touren mit Routenimport, Offline-Karten, Wegpunkt-Navigation, Rückweg-Funktion und einem erweiterten Kompass. Sogar eine Sturmwarnung ist integriert. Für Outdoor-Fans ist das ein echter Mehrwert, zumal die Uhr optisch nicht nach einem Outdoor-Gerät aussieht.
Akku und Laden: die Achillesferse
Also alles super bei der Huawei Watch 6 Pro? Nicht ganz. Es gibt nämlich einen wichtigen Kritikpunkt. Im Test kam ich mit aktiviertem Always-on-Display (nachts ausgeschaltet) auf rund vier Tage Laufzeit. Überraschend: Ohne Always-on-Display hält die Uhr kaum länger durch. Der größte Stromfresser dürfte übrigens nicht das Display sein, sondern die Summe aus Sensoren, Funkmodulen und System. Wer sich für die kleinere Huawei Watch 6 Pro entscheidet, muss mit nur zwei bis drei Tagen Akkulaufzeit auskommen.
Im Energiesparmodus verspricht der Hersteller bis zu sieben Tage bei typischer Nutzung. Dafür werden aber WLAN, Gesten, Health Glance, X-TAP und andere Funktionen deaktiviert. Genau diese Funktionen unterscheiden aber die Watch-Reihe von der GT-Serie von Huawei. Hinzu kommt das Mobilfunkmodem für die eSIM. Die Watch 6 Pro ist eben als vollwertige Smartwatch ausgelegt und nicht auf maximale Ausdauer getrimmt.
Geladen wird die Uhr kabellos über einen magnetischen Ladeadapter mit fest verbundenem USB-C-Kabel – ein Netzteil fehlt aber im Lieferumfang. Eine volle Ladung dauerte im Test etwas mehr als 90 Minuten. Laut Huawei reichen 15 Minuten am passenden Netzteil für einen Tag (zusätzliche) Nutzung.

Watch 6 Pro vs. Watch GT 7 Pro: Die Unterschiede
Und was unterscheidet die Huawei Watch 6 Pro von der Huawei Watch GT 7 Pro (Test), die auch erst vor wenigen Wochen neu eingeführt wurde?
Beide Uhren kommen mit Titan, Keramik, Saphirglas, IP69 und Freitauchen bis 40 Meter, verfolgen aber unterschiedliche Ansätze. Die Watch GT 7 Pro kostet aktuell 429 Euro (UVP) und ist damit satte 250 Euro günstiger als die Watch 6 Pro, die in beiden hierzulande verfügbaren Versionen 679 Euro (UVP) kostet. Bis zum 10. November 2026 gibt es im Onlineshop von Huawei 50 Euro Rabatt und ein zusätzliches Armband gratis.
Vor allem beim Akku liegt die GT 7 Pro vorn: Huawei verspricht bis zu zwölf Tage bei typischer Nutzung, sieben Tage mit Always-on-Display und bis zu 21 Tage bei leichter Nutzung. Ihr 1,47 Zoll großes Display erreicht zwar nur 3.000 statt 3.500 Nits, für das menschliche Auge ist dieser Unterschied aber nicht zu erkennen. Dafür fehlen der GT 7 Pro die eSIM-Unterstützung, der X-TAP-Sensor mit Health Glance und die Expedition-App. Anrufe führst du nur über das per Bluetooth verbundene Smartphone.
Kurz gesagt: Die GT 7 Pro ist die ausdauernde Sportuhr mit smarten Grundfunktionen. Die Watch 6 Pro ist die unabhängigere Smartwatch mit mehr Luxus und mehr Gesundheitsfunktionen, die dafür häufiger an die Ladeschale muss. Wie bei allen Huawei-Smartwatches mit EKG-Funktion gilt: Wichtige Parameter rund um deine Herzgesundheit kannst du zum Beispiel per PDF-Datei mit deinem Arzt teilen, um anschließend bei Bedarf eine tiefergehende medizinische Analyse anzustoßen. Ein medizinisches Gerät ist die Huawei Watch 6 Pro anders als die Huawei Watch D3 (Test) nämlich nicht.

Fazit: Luxus-Smartwatch mit kurzem Atem

Die Huawei Watch 6 Pro gehört zu den edelsten und smartesten Uhren im aktuellen Huawei-Sortiment. Und nicht nur dort. Auch im direkten Vergleich mit dem Wettbewerb muss sie sich nicht verstecken. Titan, Keramik und Saphirglas sind hochwertig verarbeitet, und der Bildschirm gehört zu den aktuell hellsten Smartwatch-Displays am Markt.
Mit eSIM, WLAN, Health Glance und Expedition-App bekommst du außerdem einen großen Funktionsumfang. Der Preis dafür ist eine Akkulaufzeit von etwa vier Tagen. Für eine klassische Smartwatch ist das in Ordnung, für Huawei-Verhältnisse aber irgendwie enttäuschend.
Wer hauptsächlich Ausdauer und Sportfunktionen sucht, ist mit der günstigeren Watch GT 7 Pro besser beraten. Wer eine stilvolle, unabhängige Smartwatch mit eSIM sucht und regelmäßiges Laden in Kauf nimmt, bekommt mit der Watch 6 Pro ein starkes Gesamtpaket.

Vorteile Huawei Watch 6 Pro
- Hochwertige Materialien aus Titan, Keramik und Saphirglas mit erstklassiger Verarbeitung
- Sehr helles LTPO-AMOLED-Display mit Helligkeitssensor und manueller Einstellung
- eSIM, WLAN und NFC ermöglichen Nutzung ohne Smartphone
- Health Glance mit X-TAP liefert in knapp 60 Sekunden einen umfassenden Gesundheitsüberblick
- Exklusive Expedition-App mit Offline-Karten und Rückweg-Navigation
Nachteile Huawei Watch 6 Pro
- Akkulaufzeit von rund vier Tagen, deutlich kürzer als bei der Huawei Watch GT 7 Pro
- Ausschalten des Always-on-Displays bringt kaum zusätzliche Laufzeit
- Display sehr anfällig für Fingerabdrücke
- Volle Ladung dauert rund 90 Minuten, kein Netzteil im Lieferumfang
- Hoher Preis, zudem einige Funktionen erst per Update oder nur in bestimmten Regionen
Hinweis: Dieser Testbericht zur Huawei Watch 6 Pro basiert auf folgender Firmware-Version: HarmonyOS 7.0.0.109. Änderungen durch spätere Updates können nicht berücksichtigt werden.

Ganz ehrlich: 679 Euro für eine Armbanduhr wären mir persönlich zu viel. Trotzdem kann ich nachvollziehen, warum Huawei diesen Preis aufruft. Titan, Keramik und Saphirglas wirken am Handgelenk richtig edel, dazu kommen eSIM, WLAN, Health Glance und die Expedition-App. Dieser Funktionsumfang rechtfertigt den Preis durchaus. Wer bereit ist, so viel Geld für eine Smartwatch auszugeben, und mit rund vier Tagen Akkulaufzeit leben kann, bekommt ein stimmiges Premium-Paket.
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