Hier sollte man 2027 lieber keinen Urlaub machen
Wer Urlaub plant, will Sonne, Meer und vielleicht ein bisschen Abenteuer. Aber bitte kein Überfall, keine Bombenwarnung und erst recht keinen Krankenhausbesuch ohne Strom. Genau hier setzt eine neue Weltkarte an: Sie malt die Erde in Farben – von beruhigendem Grün bis alarmierendem Rot. Eine Urlaubsampel für das Jahr 2027.
Wer seinen Urlaub plant, sollte diese Karte kennen
Am späten Abend des 2. März 2026 schickte die deutsche Botschaft in Abu Dhabi einen Rundbrief an alle Deutschen im Land. Die Lufträume über den Emiraten, Katar, Kuwait und Bahrain waren gesperrt, wie fast überall in der Region. Die Botschaft listete Grenzübergänge nach Oman auf. Emirates fliegt um die halbe Welt. An diesem Abend war die beste Verbindung ab Dubai ein Bus nach Maskat.
Sieben Monate später gibt es dafür eine Farbe. Die US-Sicherheitsfirma Global Guardian hat ihre Risikokarte für 2027 veröffentlicht, eine Urlaubsampel mit fünf Stufen. Die Emirate und Katar stehen darauf jetzt auf derselben Stufe wie Kapstadt. Aus völlig anderen Gründen, aber dazu gleich.
Risk Map 2027: Was die Karte misst
Global Guardian sitzt in McLean, Virginia, und verkauft Konzernen und reichen Privatleuten Personenschutz, Ambulanzflüge und Hilfe bei Entführungen. Eine Firma, die gut davon lebt, dass die Welt gefährlich ist, malt also die Weltkarte der Gefahr. Das macht die Karte nicht falsch. Man sollte es beim Lesen nur im Kopf behalten.
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Bewertet werden Kriminalität, bewaffnete Konflikte, Gesundheitsversorgung, Naturkatastrophen, Infrastruktur, politische Stabilität, Unruhen und Terror. Am Ende steht eine von fünf Stufen: niedrig, moderat, mittel, hoch oder extrem. Ab „hoch“ rät Global Guardian von allen Reisen ab, die nicht unbedingt nötig sind. Stand der Karte: September 2026.
Neu ist, dass ein Land mehrere Farben tragen kann. Die Karte trennt Städte vom Hinterland, Hotelzonen von Grenzregionen. Das Lehrstück liefert die Firma gleich mit: Kapstadt und das australische Outback haben beide mittleres Risiko. Kapstadt wegen der Gewaltkriminalität, bei sehr guten Krankenhäusern. Das Outback wegen der Krankenhäuser, die es dort kaum gibt, bei kaum Kriminalität. Gleiche Farbe, entgegengesetzte Gefahr. Wer nur auf die Farbe schaut, liest die Karte falsch.
Neun Länder riskanter: Der Golf rutscht ab
Neun Länder stuft Global Guardian für 2027 schlechter ein, sieben davon im Nahen Osten. Der Grund hat ein Datum: Am 28. Februar 2026 griffen die USA und Israel Iran an und töteten dabei Revolutionsführer Ali Chamenei. Iran antwortete mit Angriffen auf US-Stützpunkte und Wirtschaftsanlagen am Golf und auf Schiffe in der Straße von Hormus.
Die Bilanz auf der Karte: Katar, die Emirate und Jordanien steigen von moderat auf mittel. Saudi-Arabien ebenfalls, dort trafen iranische Angriffe Öl- und Gasanlagen sowie Luftwaffenbasen. Bahrain und Kuwait springen gleich zwei Stufen nach oben, von moderat auf hoch. Viele US-Truppen, die schwächste Luftabwehr der Region, kurze Distanz zum Gegner.
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Für deutsche Urlauber geht es dabei weniger um den Strand als um den Zwischenstopp. Wer nach Bangkok, Bali oder auf die Malediven fliegt, steigt oft in Dubai, Abu Dhabi oder Doha um. Der Transitbereich mit Parfümregal und Kamelmilchschokolade hat jetzt eine Risikostufe.
All-inclusive-Urlaub bei Kerzenschein?
Iran selbst rückt von hoch auf extrem. Die neue Führung in Teheran beschreibt Global Guardian als repressiver und weniger vorsichtig als die alte, das Risiko willkürlicher Festnahmen von Ausländern sei gestiegen. Persepolis bleibt, wo es ist. Hinfahren sollte man vorerst nicht.
Kuba steigt von moderat auf mittel, ohne dass dort mehr geschossen oder geraubt würde. Die Sicherheitslage ist laut Global Guardian unverändert. Es sind landesweite Stromausfälle, akuter Treibstoffmangel und neue Sanktionen, die Netz und Krankenhäuser an den Rand des Zusammenbruchs treiben. All-inclusive bei Kerzenschein klingt romantisch, bis man nachts in eine Notaufnahme muss, in der das Licht ausgeht.
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Ecuador geht von mittel auf hoch. Das Land hat inzwischen die höchste Mordrate der Region, Banden kämpfen um Kokainrouten, Schutzgeld und illegale Minen und setzen dabei zunehmend Autobomben ein. Viele Flüge auf die Galápagos-Inseln führen über Guayaquil, jene Hafenstadt, die Global Guardian schon im Sommer als Brennpunkt der Gewalt nannte.
Extremes Risiko: Hier geht gar nichts
Ganz oben auf der Skala steht „extrem“: aktiver Krieg, schwere Kriminalität, ein Staat, der weder Milizen noch Katastrophen im Griff hat. Im Juni zählte Global Guardian dazu Afghanistan, den Gazastreifen, Haiti, Mali, Myanmar, Somalia, den Sudan, Syrien, die Ukraine und den Jemen. Mit der neuen Karte kommt der Iran dazu. Die Liste liest sich wie der Auslandsteil der Abendnachrichten der vergangenen fünf Jahre. Reisen dorthin ist weniger Urlaub als Mutprobe.
Für die Urlaubsplanung interessanter ist die Etage darunter. Mexiko führte Global Guardian schon im Sommer als Hochrisikoland. Nach der Tötung des Kartellchefs „El Mencho“ am 22. Februar 2026 gab es landesweit Schießereien und brennende Fahrzeuge. Die Gewalt erreiche zunehmend auch Cancún, Tulum und Puerto Vallarta, schreibt die Firma. Die Hotelzone hat Zäune. Die Kartelle haben Geduld.
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Thailand stand im Sommer auf „mittel“. Touristenorte und Großstädte gelten als sicher, bei Clubs und Strandpartys rät Global Guardian zu Vorsicht wegen Diebstahl, Übergriffen und sexueller Gewalt. Die Grenzregionen und die Südprovinzen Songkhla, Yala, Pattani und Narathiwat sollte man meiden.
Urlaub in der Türkei oder in Ägypten?
Die Türkei hat seit März ein neues Problem an der Ostgrenze. Am 4. März fing die türkische Luftabwehr eine ballistische Rakete aus dem Iran ab. Seitdem rät das Auswärtige Amt von nicht notwendigen Reisen in die Grenzprovinzen zu Iran, Irak und Syrien ab: Ağrı, Iğdır, Van, Şanlıurfa, Mardin, Şırnak und Hakkâri. Antalya, Bodrum und Istanbul liegen am anderen Ende des Landes. Das größere Risiko für Deutsche sitzt woanders: Das Amt warnt vor Festnahmen, Ausreisesperren und Einreiseverweigerungen, auch wegen alter Social-Media-Posts. Schon ein Like unter einem regierungskritischen Beitrag kann Ermittlungen auslösen. Vor dem Antalya-Urlaub lohnt also ein Blick ins eigene Instagram-Archiv.
Ägypten bleibt bei seiner Teilreisewarnung: Nord-Sinai, das Grenzgebiet zu Israel außer Taba und entlegene Wüstengebiete sind tabu. Hurghada, Marsa Alam und Sharm el-Sheikh betrifft das nicht, von Ausflügen und Überlandfahrten auf eigene Faust im Süd-Sinai rät das Amt aber ab. Pool ja, Wüstenabenteuer im Mietwagen lieber nicht.
Drei Länder sicherer, eines dank Regierungswechsel
Jamaika fällt von hoch auf mittel. Die Mordrate sank von 2024 auf 2025 um 40 Prozent, vorläufige Zahlen für 2026 zeigen weiter nach unten. Erkauft ist das mit Ausnahmezustand und Soldaten, die gemeinsam mit der Polizei patrouillieren. Ob es hält, wenn beide verschwinden, weiß auch Global Guardian nicht.
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Südkorea geht von moderat auf niedrig, weil sich die Innenpolitik beruhigt hat. Ex-Präsident Yoon Suk Yeol, der im Dezember 2024 das Kriegsrecht ausrief, wurde im Februar 2026 zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein Land wird sicherer, weil der Mann mit dem Kriegsrecht im Gefängnis sitzt. Auch eine Methode.
Ungarn geht ebenfalls von moderat auf niedrig. Nach 16 Jahren ist Viktor Orbán abgewählt, und damit fällt laut Global Guardian der wichtigste Anlass für Massenproteste weg. Die Logik ist bestechend: keine Orbán-Regierung, keine Demos gegen die Orbán-Regierung.
Neu auf der Karte: Festnahme, Datenklau, Seuchen
Zum ersten Mal benennt Global Guardian einzelne Länder und Städte für fünf Sonderrisiken. Zwei davon dürften Urlauber bisher kaum auf dem Zettel gehabt haben.
Willkürliche Festnahme. Gemeint sind Staaten, die Ausländer ohne echten Grund einsperren, um ein Faustpfand für Verhandlungen zu haben. Die Vorwürfe sind oft erfunden oder betreffen Regeln, die sonst niemand durchsetzt. Der Reisepass wird dort zur Verhandlungsmasse. Russland und Belarus nannte die Firma dafür schon im Sommer, für Iran sieht sie das Risiko jetzt steigen.
Datenrisiko. Länder mit starken Cyber-Fähigkeiten, schwachem Datenschutz und autoritärem Umgang mit Kritikern, manche betreiben laut Global Guardian Wirtschaftsspionage. Das Paradebeispiel ist China: Dort gebe es praktisch keinen Datenschutz, schreibt die Firma, und rät zu Wegwerfhandy und Wegwerf-Laptop. Als der britische Premier Keir Starmer Ende Januar 2026 nach China reiste, bekam sein Team frische Telefone und neue SIM-Karten. Für Russland und Belarus gilt laut Global Guardian: Jede elektronische Kommunikation ist als überwacht zu betrachten. In der Türkei mussten Einreisende ihr Handy entsperren, damit Beamte Inhalte und Kontakte durchsehen konnten. Darauf weist das Auswärtige Amt hin. Und wer glaubt, das betreffe nur Autokratien: Auch US-Grenzbeamte dürfen bei der Einreise Handys durchsuchen. Die Empfehlung: ein Zweitgerät, auf dem nur liegt, was man für die Reise braucht. Ein Wegwerfhandy für den Urlaub, das klang bisher nach Drogenhandel und ist jetzt der Rat einer Sicherheitsfirma.
Gesundheit. Länder mit verbreiteten Infektionskrankheiten, schwachem Gesundheitssystem und schwieriger Evakuierung. Seit Mai 2026 läuft im Osten der DR Kongo ein Ebola-Ausbruch mit mehr als 7.200 bestätigten Fällen und über 3.450 Toten, so die Zahlen der US-Seuchenbehörde CDC. Global Guardian spricht vom zweitgrößten Ausbruch seit Beginn der Aufzeichnungen. Auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius steckten sich im Mai 13 Menschen mit dem Hantavirus an, drei starben. Ein Kreuzfahrtschiff ist eben auch eine schwimmende Petrischale.
Umwelt. Dazu markiert die Karte Länder mit vielen Extremwetter- und Erdbebenlagen bei schwacher Katastrophenhilfe. Wie so eine Liste aussieht, zeigt der Weltrisikobericht 2025: Ganz oben stehen die Philippinen, Indien und Indonesien, Kolumbien und Mexiko gehören ebenfalls zu den zehn am stärksten gefährdeten Ländern. Bali liegt also im Bronze-Land. Deutschland landet auf Platz 95 von 193.
Städte. Außerdem nennt die Karte die Städte mit den höchsten Mord- und Gewaltraten. Die bekannteste Rangliste dafür führt eine mexikanische Bürgerorganisation. Für 2025 liegt Port-au-Prince in Haiti vorn, mit 197 Tötungsdelikten pro 100.000 Einwohner. Dahinter folgt Babahoyo in Ecuador, sechs der zehn gefährlichsten Städte der Welt liegen dort. 44 der 50 Städte auf der Liste sind in Amerika, 17 allein in Mexiko, darunter Tijuana und Acapulco, einst Kulisse für Jetset-Urlaube.
Urlaub in Deutschland?
Das Hamburger Analysehaus A3M führte Deutschland schon auf seiner Risikokarte 2026 nur in der zweitbesten von fünf Stufen, „gering risikobehaftet“. Die beste Note bekamen die Schweiz, Norwegen und Finnland. Der Global Peace Index 2026 des Institute for Economics & Peace wird deutlicher: Deutschland fällt um fünf Plätze auf Rang 28 von 163. Spanien liegt einen Platz davor, Island zum 19. Mal in Folge ganz vorn. Ganz hinten steht Russland.
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Global Guardian liefert die Beispiele dazu. Im Januar 2026 legte ein Brandanschlag in Berlin, zu dem sich die anarchistische Vulkangruppe bekannte, tagelang den Strom von 50.000 Haushalten und Betrieben lahm. Russische Sabotage mit Drohnen und an Flughäfen werde offener, schreibt die Firma, und könne häufiger zu Flugausfällen führen. Im Oktober 2025 ruhte der Flugbetrieb in München wegen Drohnensichtungen. Im Terror-Index 2026 von Global Guardian stand Deutschland auf „hoch“, gemeinsam mit Frankreich, Österreich und Großbritannien.
Sicherheit ist auch eine Frage der Gewöhnung. Ein Land, in dem Drohnen den Flughafen lahmlegen und Brandstifter einen Stadtteil abschalten, gilt als sicher, solange es woanders noch schlimmer ist.
Reisewarnung: Wann man kostenlos stornieren kann
Rechtlich hat die Karte einer US-Firma kein Gewicht. Für deutsche Urlauber zählt das Auswärtige Amt, und dort zählt jedes Wort. Das Amt unterscheidet zwischen Sicherheitshinweisen, der Formel „Von Reisen wird abgeraten“ und der echten Reisewarnung. Die gibt es nur bei Gefahr für Leib und Leben, manchmal beschränkt auf einzelne Regionen.
Pauschalreise. Wer vor Reisebeginn zurücktritt, muss keine Stornogebühr zahlen, wenn am Urlaubsort unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände die Reise erheblich beeinträchtigen (§ 651h Abs. 3 BGB). Eine Reisewarnung gilt dafür als starkes Argument, ein Freifahrtschein ist sie nicht. Es kommt auf die Lage kurz vor der Abreise an. Wer Monate vorher in Panik storniert, zahlt im Zweifel.
Flug und Hotel einzeln gebucht. Hier gibt es kein Pauschalreiserecht. Fliegt die Airline, bekommt man für den leeren Sitz höchstens Steuern und Gebühren zurück. Sagt sie den Flug ab, gibt es das Geld zurück. Beim Hotel gelten dessen Stornobedingungen. Wer einzeln gebucht hat, um ein paar Euro zu sparen, hat das Risiko gleich mitgebucht.
Wie schnell sich das dreht, zeigt der Golf: Ende Februar 2026 sprach das Auswärtige Amt für eine Reihe von Golfstaaten Reisewarnungen aus und hat sie inzwischen wieder gelockert. Wer verreist, sollte sich in die Krisenvorsorgeliste Elefand eintragen und die App „Sicher Reisen“ installieren. Einen schnellen Überblick über die offiziellen Warnungen der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands bündelt die kostenlose Live-Risikokarte von Sicuro.
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