DSL wird teurer: Was hinter der nächsten Preiserhöhung 2027 steckt
Wer jetzt DSL bucht, zahlt mehr. Bei der Telekom kosten die MagentaZuhause-Tarife für Neukunden seit dem 1. Oktober einen Euro mehr im Monat, Glasfaser sogar zwei Euro. 1&1 verlangt von Bestandskunden bis zu drei Euro mehr. Auch bei der Konzernmarke sim24. Das Vergleichsportal Verivox rechnet damit, dass weitere Anbieter nachziehen. Die Begründung: Ab Juli 2027 steigen die Vorleistungspreise für DSL. Das stimmt. Ist aber nur die halbe Geschichte. Denn die Telekom hat an der Preisschraube für ihre Wettbewerber längst gedreht. Ganz leise.
Zwei Wege ins Telekom-Netz
Die meisten DSL-Anbieter haben kein eigenes Kupfernetz. Sie mieten bei der Telekom. Dafür gibt es zwei Wege. Beim ersten mietet der Anbieter nur den blanken Kupferdraht zwischen deiner Wohnung und dem Verteiler der Telekom. Fachleute nennen das Teilnehmeranschlussleitung, kurz TAL. Die DSL-Technik dahinter betreibt der Anbieter selbst. Beim zweiten Weg kauft er ein fertiges Vorprodukt, den sogenannten Bitstrom. Die Telekom liefert den kompletten DSL-Anschluss, der Anbieter schreibt sein Logo drauf und die Rechnung.
Welcher Weg wichtiger ist, zeigen die Zahlen der Telekom. Rund 8,4 Millionen Breitbandanschlüsse liefert sie als fertiges Vorprodukt an andere Anbieter. Über eine gemietete TAL laufen nur noch 1,47 Millionen. Tendenz: stark fallend. Ein Jahr zuvor waren es noch 1,7 Millionen.
2027: Die Kupferleitung wird teurer
Die Erhöhung 2027 betrifft die TAL. Neu ist sie nicht. Die Bundesnetzagentur hat sie schon 2022 beschlossen. Damals genehmigte sie die TAL-Preise erstmals für zehn statt für drei Jahre, mit einer eingebauten Stufe nach der Hälfte der Zeit. Und die ist nun fast erreicht.
Am 1. Juli 2027 steigt die Miete für die Leitung bis zum Hauptverteiler (Fachbegriff TAL) von 10,65 auf 11,08 Euro im Monat. Genutzt wird sie aber faktisch kaum noch. Die kürzere Leitung ab dem grauen Kasten am Straßenrand (KVz-TAL) kostet dann 7,20 statt 6,92 Euro. Ein Plus von 4 Prozent. Das sind Nettopreise. Auf eine Endkundenrechnung umgelegt wären es 51 beziehungsweise 33 Cent im Monat, wenn sie direkt weitergereicht werden würden. Genutzt wird die KVz-TAL vor allem von regionalen Anbietern.
Zum Vergleich: 1&1 verlangt schon jetzt bis zu drei Euro mehr. Und die TAL betrifft, siehe oben, nur noch einen kleinen Teil der Wettbewerber-Anschlüsse. 1&1 gehört nicht dazu, da der Anbieter keine eigene VDSL-Technik betreibt.
Beim Bitstrom hat die Telekom schon erhöht
Viel wichtiger ist der Bitstrom. Und genau hier hat die Telekom bereits zugelangt. Angekündigt hat sie das nicht. Die Erhöhung steht in einer Fußnote ihres Zahlenwerks zum zweiten Quartal, veröffentlicht am 6. August. Im Bericht zum ersten Quartal fehlte sie noch.
Demnach steigt der Bitstrom-Preis für alle Bandbreiten um 50 Cent netto pro Anschluss und Monat. Ein VDSL-Anschluss mit 100 Mbit/s kostet den Wettbewerber dann 18,22 statt 17,72 Euro. Bei 50 Mbit/s sind es 16,22 statt 15,72 Euro, bei 250 Mbit/s 20,22 statt 19,72 Euro.
Es gibt aber Einschränkungen. Die Erhöhung gilt laut Telekom für das Neugeschäft. Sie wird nach gegenseitiger Vereinbarung wirksam, frühestens ab Juli 2026. Welche Partner zugestimmt haben und ob bestehende Anschlüsse betroffen sind, schreibt die Telekom nicht.
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Warum die Rechnung nicht ganz aufgeht
Vorleistung wird teurer, also steigen die Endkundenpreise. Klingt logisch. Doch die Zahlen passen nicht zusammen. Die Telekom zahlt sich selbst keine Vorleistung. Sie erhöht trotzdem. Und zwar bei Glasfaser stärker als bei DSL. Als Gründe nennt sie Energie, allgemeine Kosten und den Glasfaserausbau. Allerdings ist sie auch angehalten, die Preise für Endkunden so zu gestalten, dass Wettbewerber konkurrenzfähige Angebote machen können. Also muss auch sie die Preise nachführen.
1&1 wiederum erhöht ausgerechnet bei Bestandskunden. Gilt der höhere Bitstrom-Preis tatsächlich nur fürs Neugeschäft, trifft er genau diese Kunden gar nicht. Und selbst wenn: 50 Cent netto sind brutto knapp 60 Cent. Drei Euro sind das Fünffache. Sie gehen also auch noch auf weitere Kosten zurück – dürften aber womöglich auch einen Effekt auf die Gewinnmarge haben. Last but not least: Die drei Euro treffen auch Glasfaserkunden, die mit dem VDSL-Bitstrom gar nichts zu tun haben.
Die Vorleistung ist also ein echter Kostenfaktor. Der Treiber hinter den aktuellen Erhöhungen ist sie nicht. Als Argument für die nächste Runde wird sie 2027 trotzdem herhalten. Darauf kannst du dich einstellen.
Kupfer wird nicht billiger
Pikant: Die Bundesnetzagentur schrieb 2022, auch die Nutzer sollten von stabilen TAL-Preisen profitieren, „ohne dass insoweit Kostenerhöhungen drohen“. Gemeint war Planbarkeit für den Umstieg auf Glasfaser. Für DSL-Kunden heißt das vor allem eines: Kupfer wird nicht billiger. Nur teurer.
Flattert dir eine Preiserhöhung ins Haus, hast du ein Sonderkündigungsrecht. Dafür bleiben dir drei Monate ab Zugang der Mitteilung. Das ist ein guter Moment, um zu prüfen, ob an deiner Adresse Glasfaser oder Kabel eine Alternative sind. In den meisten Fällen bist du aber auf das Sonderkündigungsrecht gar nicht angewiesen. Nach Ablauf der Mindestlaufzeit kannst du einen Internetvertrag regulär monatlich kündigen. Nur wenn die die Preiserhöhung innerhalb der Mindestlaufzeit bekommst, kann die Sonderkündigung für dich der schnelle Weg sein, einen anderen Anbieter zu wählen.

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