Rentner-Rabatt im Supermarkt: Wer ihn gibt, wer nicht und was er wirklich bringt
Die Nachricht wandert seit Wochen durch das Netz und Familien-Chats, meist mit Ausrufezeichen: Rentner bekommen im Supermarkt jetzt Rabatt. Zehn Prozent auf den gesamten Einkauf, einfach Ausweis vorzeigen. Wer das liest, denkt an den Discounter um die Ecke. Und wer sich morgen mit dem Rentenausweis an dessen Kasse stellt, erlebt dort vermutlich einen sehr kurzen, sehr unangenehmen Moment. Denn die Geschichte stimmt. Sie spielt nur nicht dort, wo die meisten Menschen einkaufen.
Rentner-Tag: 10 Prozent am ersten Dienstag
Der Rabatt, um den es geht, stammt von Kauver. Rentner und Kunden ab 67 Jahren bekommen dort am ersten Dienstag jedes Monats 10 Prozent auf rabattfähige Einkäufe. In Hannover gilt der Nachlass sogar jeden Dienstag und schon ab 60. Als Nachweis reicht der Rentnerpass oder der Personalausweis. Fällt der erste Dienstag auf einen Feiertag, rutscht der Rentner-Tag auf den Mittwoch.
Klingt großzügig. Der Haken steht in einer Zahl: Kauver betreibt zwölf Märkte, verteilt auf Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen. Rewe allein kommt nach eigenen Angaben auf 3.800 Märkte. Wer in Rosenheim, Rostock oder Saarbrücken wohnt, kann sich den Rentner-Tag einrahmen, einlösen kann er ihn nicht.
Aldi, Rewe, Kaufland: Rabatt für alle
Bei den großen Ketten gibt es keinen Rentner-Rabatt, das bestätigen alle, die auf unsere Anfrage geantwortet haben. Die Begründungen unterscheiden sich allerdings, und es zeichnen sich zwei Lager ab.
Aldi argumentiert mit Gleichheit. Man verzichte „auf zielgruppenspezifische Rabatte“, damit „alle die gleichen Preise zahlen“, sagt uns eine Sprecherin von Aldi Nord. Aldi Süd verweist auf niedrige Preise „ohne Bonus-App, ohne Coupons, ohne Bedingungen oder Sonderrabatte“. Das ist immerhin konsequent: kein Rabatt für Rentner, aber auch für niemanden sonst.
Rewe, Kaufland und Lidl setzen auf Angebote für alle, ergänzt um eigene Programme mit App oder Karte. Rewe nennt „rund 300 wöchentlich wechselnde Angebotsartikel“ plus Bonusprogramm und Treuepunkte. Kaufland betont, die „überwiegende Mehrzahl“ seiner Sonderangebote gelte auch ohne Kaufland Card XTRA, im Prospekt gebe es regelmäßig Coupons. Edeka hat auf unsere Anfrage nicht geantwortet.
Wie der Rentner-Rabatt bei Lidl aussieht
Die ausführlichste Antwort kommt von Lidl, und sie ist die aufschlussreichste. Statt eines Altersrabatts gibt es dort die App Lidl Plus, die nach Unternehmensangaben in allen Altersgruppen gut ankommt. Wer fürchtet, dass Ältere dabei abgehängt werden, bekommt eine bemerkenswerte Beruhigung: „Die Nutzung von Mobiltelefonen, insbesondere von Smartphones, ist heutzutage weit verbreitet und es gibt verschiedene Modelle, die von allen Altersgruppen genutzt werden können.“
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Der Seniorenrabatt bei Lidl heißt also: Smartphone kaufen. Wer das tut, kann sich über den Rabattsammler Plus wahlweise ein vergünstigtes oder kostenloses Abo für Disney+, Dyn oder Bild Plus sichern. Das Brot wird davon nicht billiger. Immerhin räumt Lidl ein, dass die aktuellen Funktionen „eine Interaktion mit der App“ voraussetzen, und verweist auf Coupons zum Ausschneiden im gedruckten Prospekt. Die gibt es allerdings nur für bestimmte Aktionen.
Einzelne Händler gehen eigene Wege. Der Teiba-Markt in Neuruppin gibt Rentnern gegen Vorlage des Rentenausweises dauerhaft Rabatt auf den Einkauf, Tabak ausgenommen. Im Marktkauf-Center in Hamburg-Bergedorf bekommen Kunden ab Jahrgang 1961 mittwochs 5 Prozent, einige Waren sind ausgenommen. Das sind Einzelmärkte, keine Ketten.
Was der Rentner-Rabatt in Euro bringt
Wer am Rentner-Tag für 50 Euro einkauft, spart 5 Euro. Bei zwölf Rentner-Tagen im Jahr summiert sich das auf 60 Euro, vorausgesetzt, der Großeinkauf fällt brav auf den ersten Dienstag. Fünf Euro: Dafür gibt es beim Bäcker ein Brot, mit Glück zwei.
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Dass die Meldung trotzdem so zieht, hat einen ernsten Grund. Knapp jede fünfte Person ab 65 galt 2024 als armutsgefährdet, 19,4 Prozent laut Bundesregierung. Für diese Menschen sind fünf Euro kein Kleingeld. Ein Rabatt bei einer Kette mit zwölf Märkten ist allerdings keine Hilfe gegen Altersarmut, sondern Kundenbindung, und das sagt die Branche auch ganz offen. Kauver holt ältere Stammkunden einmal im Monat verlässlich in den Laden. Das ist das Geschäftsmodell, nicht die Wohltat.
Nächster Rentner-Tag: 3. November
Wer in der Nähe eines Kauver-Marktes wohnt, kann sich den 3. November vormerken, danach den 1. Dezember. Alle anderen können an der Kasse ihres Supermarkts ja einmal nach einem Seniorenrabatt fragen. Die Frage kostet nichts, im Gegensatz zum Einkauf.
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