Ich habe Amazons erstes Alexa-Tablet getestet – das hat mich gestört
Nach fast 15 Jahren ist Schluss: Amazon stellt die Fire Tablets ein. Die Nachfolger laufen mit Android 16 und Google Play, haben ein starkes mattes Display und kosten ab 229 Euro. Der Haken – oder Vorteil: Sie sind um Alexa herum gebaut. Ich hatte das neue Topmodell schon in der Hand.
Fire OS ist Geschichte, Android übernimmt in den neuen Alexa-Tablets
Amazon zieht bei seinen Tablets einen Schlussstrich. Die Fire Tablets verschwinden aus dem Programm, der Verkauf endet in Kürze. Wer eines besitzt, muss sich aber keine Sorgen machen: Amazon verspricht mindestens vier Jahre Updates, gerechnet ab dem letzten verkauften Gerät. Das Fire-OS-Aus betrifft nur die Tablets.
Die Nachfolger heißen Amazon Alexa Tablets, und die wichtigste Neuerung steckt unter der Oberfläche. Statt Fire OS läuft hier Android 16, und zwar ab Werk mit dem Google Play Store und allen Google-Apps. Bislang musstest du bei Fire Tablets mit dem Amazon Appstore leben oder Google-Dienste umständlich per Sideloading nachrüsten. Das entfällt jetzt. Anfang 2027 soll Android 17 folgen, für die neuen Geräte gilt ein Update-Versprechen von mindestens vier Jahren.
Ein reines Google-Tablet ist es trotzdem nicht – Alexa ist immer präsent. Links oben auf dem Homescreen sitzt ein dynamischer Bereich mit Wetter, Wecker, Fotos aus Amazon Photos und dem, was du zuletzt geschaut, gelesen oder gespielt hast. Wischst du nach rechts, landest du auf einer „Für dich“-Seite mit Empfehlungen aus Prime Video, Kindle, Audible und diversen Spielen. Sobald du dich mit deinem Amazon-Konto anmeldest, ist alles personalisiert. Android ist die Basis, oben sitzt Amazon drauf.

Warum das Display im ALEXA TABLET 12 Pro besonders ist
Das Topmodell heißt Amazon Alexa Tablet 12 Pro. Das Gehäuse besteht aus Aluminium, das Display misst 12 Zoll und hat ein Seitenverhältnis von 3:2. Für Webseiten, Dokumente und Bücher ist das ideal, weil mehr Inhalt auf den Bildschirm passt. Bei Filmen und Serien siehst du dafür breitere schwarze Balken als bei einem 16:10-Tablet.
Das Display löst mit 2,8K auf, das entspricht 280 Pixeln pro Zoll. Es arbeitet mit 120 Hz und erreicht laut Amazon 500 Nits.
Spannend ist die 60 Euro teurere Variante mit einem speziellen Nano-Matte-Display. Matte Displays werden normalerweise angeätzt oder sandgestrahlt. Das reduziert Spiegelungen, kostet aber Kontrast und erzeugt oft ein störendes Glitzern. Amazon hat gemeinsam mit Corning einen anderen Weg gewählt: Ein feines Wabenmuster wird per Fotolithografie ins Glas gebracht. Im ersten Eindruck hat mich das überzeugt. Spiegelungen fielen kaum auf, das typische Glitzern blieb aus und Schwarz wirkte nicht grau, sondern sehr tief.
Mit dem Stift fühlt sich die matte Oberfläche fast wie Papier an. Der Stift kostet extra und haftet magnetisch an der Oberkante. Im Inneren arbeitet ein MediaTek Dimensity 8400 mit acht Kernen, eigener Grafikeinheit und NPU für KI-Aufgaben. Laut Amazon bringt das neue Tablet dreimal so viel Rechenleistung und neunmal so viel Grafikleistung wie das bisher schnellste Fire-Tablet. Das klingt beeindruckend, die Messlatte lag allerdings nicht besonders hoch.

Alexa als Agent: praktisch und neugierig
Die Tablets heißen nicht umsonst Alexa Tablets. Alexa soll hier kein Sprachassistent sein, den du gelegentlich aufrufst, sondern eine Agentin, die auf dem ganzen Gerät mitläuft. Du erreichst sie per Sprachbefehl, entweder mit einem langen Druck auf die Home-Taste oder über einen kleinen Reiter unten rechts. Dann öffnet sich ein Chatfenster, in das du tippen oder sprechen kannst. Wenn du es erlaubst, sieht Alexa, was gerade auf deinem Bildschirm passiert. Die Freigabe lässt sich jederzeit wieder entziehen.
Im Browser wird daraus eine Seitenleiste mit kontextabhängigen Vorschlägen: Seite zusammenfassen, Restaurants in der Nähe finden, Wetter prüfen. Natürlich kannst du auch beliebige eigene Anfragen eintippen oder -sprechen. Im Amazon-eigenen Browser liest Alexa die komplette Webseite – auch den Teil, den du noch nicht gescrollt hast. In Chrome und anderen Browsern sieht sie nur, was gerade auf dem Display steht. Das funktioniert auch mit PDFs und Apps.

Wie weit Alexa in andere Apps eingreifen kann, ist noch begrenzt. Kalender aus Gmail oder Outlook kannst du derzeit nicht direkt, aber über die entsprechenden Amazon-Dienste verbinden. Auf dem Gerät selbst kann Alexa Einstellungen öffnen, Bluetooth einschalten oder Helligkeit und Lautstärke ändern. Fremde Apps kann sie starten und dort per Folgebefehl etwas auslösen – zum Beispiel erst Netflix öffnen und dann eine bestimmte Serie abspielen. Beides in einem Kommando klappt nicht, und die Funktionen sind noch relativ beschränkt. Amazon arbeitet dafür aber mit Google an einem gemeinsamen Framework für KI-Agenten in Android.
Alexa merkt sich außerdem, was du ihr sagst. Speicherst du etwa dein Hotel auf einer Reise oder die Ernährungsgewohnheiten deiner Familie, fließt das in Restaurant-Tipps ein. Mit dem Stift wird es kreativ: Eine schnelle Skizze verwandelt Alexa in eine Geburtstagskarte. Auf dem Vorseriengerät hat das nicht auf Anhieb funktioniert, im zweiten Anlauf aber gut.

Wofür Amazon das alles baut, zeigt eine Demo besonders deutlich. Ein Amazon-Mitarbeiter demonstrierte uns Alexa in einem TikTok-Video über Smash Burger. Die herbeigerufene Alexa liefert Rezeptideen – oder exakt die Burgerpresse aus dem Video, direkt bei Amazon bestellbar. Das ist bequem, zeigt aber auch, was dieses Tablet für Amazon auch ist: ein Schaufenster.
Kindle-Modus: Lesen ohne Ablenkung
Richtig gut gefallen hat mir der Kindle-Modus. Öffnest du ein Buch, schaltet das Tablet alle Benachrichtigungen ab und aktiviert den Blaulichtfilter. Du kannst zwischen drei Papier-Modi wählen: schwarz-weiß wie beim klassischen Kindle, mit gedeckten Farben wie beim Kindle Colorsoft oder Vollfarbe für Comics. Beim Umblättern gibt es eine Animation, die an echtes Papier erinnert. Laut Amazon hält der Akku des 12 Pro beim Lesen bis zu 20 statt 16 Stunden durch.
Über die Alexa-Taste öffnet sich zusätzlich ein Dashboard mit Kalender, Aufgaben, Timern, Listen und deinen Smart-Home-Geräten. Wer kompatible Überwachungskameras oder Türklingeln hat, kann hier direkt in die Einfahrt gucken und die Haustür öffnen. Das Tablet wird damit nebenbei auch zur Steuerzentrale fürs Zuhause.

Tastatur, Fingerabdruck und Fenster
Für die Arbeit gibt es eine Tastatur mit Kickstand und Trackpad, die magnetisch andockt. Sie hat eine eigene Alexa-Taste und kostet extra. Entsperren kannst du das Tablet per Fingerabdruck. Dank Android 16 laufen Apps in frei verschiebbaren Fenstern oder im Splitscreen. Einen Laptop soll das Tablet nicht ersetzen, für Mails und Chats zwischendurch reicht es aber.

Preise und Marktstart des Amazon Alexa Tab 12 Pro
Das Amazon Alexa Tab 12 Pro gibt es mit und ohne Nano-Matte-Display – für 499,99 beziehungsweise 559,99 Euro. Für die Nano-Matte-Version bietet Amazon noch ein Speicher-Upgrade an: von 8 auf 16 GB RAM und von 128 auf 256 GB Speicher für insgesamt 669,99 Euro. Die Tastatur kostet 139,99 Euro, der Eingabestift 84,99 Euro.
Einschätzung: Für wen sich die Alexa Tablets lohnen
Amazon macht mit den neuen Tablets vieles richtig. Echtes Android mit Google Play, ein starkes mattes Display und ein Preis, der für ein 12-Zoll-Tablet mit dieser Ausstattung attraktiv ist. Die Fire Tablets waren immer günstig, aber eben auch ein Kompromiss. Das 12 Pro ist keiner mehr.
Du musst aber wissen, was du kaufst. Dieses Tablet ist um Alexa herum gebaut, und Alexa soll möglichst viel davon sehen, was du darauf tust. Wenn du ohnehin mit Prime, Kindle, Audible und Echo lebst, viel liest oder ein Tablet als Smart-Home-Zentrale suchst, dann bist Du hier richtig.
Das Wichtigste auf einen Blick:
- Amazon stellt die Fire Tablets ein. Bestehende Geräte bekommen noch mindestens vier Jahre Updates.
- Die neuen Amazon Alexa Tablets laufen mit Android 16 und haben den Google Play Store ab Werk. Android 17 soll Anfang 2027 kommen.
- Das Topmodell 12 Pro hat ein 12-Zoll-Display im 3:2-Format mit 2,8K und 120 Hz, auf Wunsch mit besonders mattem Nano-Matte-Glas.
- Alexa arbeitet als Agent auf dem ganzen Gerät und sieht auf Wunsch, was auf deinem Bildschirm passiert.
- Die Preise liegen bei 229, 329, 499 und 559 Euro. Vorbestellen kannst du ab dem 8. Oktober, in den Handel kommen die Tablets noch im Oktober.
- Lohnt sich vor allem, wenn du ohnehin mit Prime, Kindle und Echo lebst. Wer ein neutrales Android-Tablet sucht, bekommt Amazon überall mit dazu.
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