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GEZ abgeschafft! Und jetzt?

Die GEZ ist tot. Sie starb am 1. Januar 2013, ohne Trauerfeier und ohne Nachruf. Und so gut wie niemand hat es mitbekommen. Seitdem heißt sie ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice, verschickt die gleichen Briefe in den gleichen Umschlägen und wird trotzdem hartnäckig mit dem Namen ihrer Vorgängerin verflucht. So viel Nachruhm hat in der Bundesrepublik kein Politiker geschafft. Aber gut. Wer „GEZ abschaffen“ ruft, meint nicht die Behörde.

Er meint die 18,36 Euro, die Monat für Monat vom Konto verschwinden, egal ob im Haushalt jemand die Tagesschau guckt oder ob dort gar kein Fernsehapparat rumsteht. Während Karlsruhe über die 58 Cent streitet, die den Sendern seit 2025 fehlen, und für 2027 bereits eine weitere Erhöhung im Raum steht, spielen wir das Gegenteil durch: Die Länder kündigen die Staatsverträge, der Rundfunkbeitrag ist Geschichte. Juristisch ist das ungefähr so wahrscheinlich wie ein pünktlicher Regionalexpress zwischen Köln und Düsseldorf. Egal. Heute darf geträumt werden.

Tschüss GEZ: Was passiert danach?

Tag eins gehört den Siegern. In Telegram-Gruppen kursieren Screenshots gekündigter Daueraufträge wie Jagdtrophäen. Jemand rahmt seinen letzten Festsetzungsbescheid ein und hängt ihn neben das Hochzeitsfoto. Milliarden bleiben plötzlich nicht mehr beim Rundfunk, sondern bei den Bürgern. Jeder weiß schon, was er mit seinem Anteil macht.

-> ARD, ZDF und GEZ: Muss der Rundfunkbeitrag weg?

Nach vier Wochen kommt der Kassensturz. Die 18,36 Euro sind nicht weg, sie haben nur den Besitzer gewechselt. Ein Streamingdienst für Serien, einer für Fußball, einer, weil die Kinder sonst meutern. Das Länderspiel läuft jetzt dort, wo es am meisten Geld einbringt, und das war noch nie das Wohnzimmer des Zuschauers. Wer gratis fernsehen will, darf das weiterhin. Bei den Privaten. Die Hauptnachrichten dauern sieben Minuten, zwei davon Wetter, präsentiert von einem Baumarkt. Die Freiheit, für die jahrelang Petitionen unterschrieben wurden, besteht im Wesentlichen darin, sich den Werbeblock aussuchen zu dürfen.

Tatort: Abendprogramm

Auf der anderen Seite des Grabens ist die Stimmung nicht besser, nur peinlicher. Jahrelang hieß es, ohne Rundfunkbeitrag sterbe die Demokratie. Tatsächlich stirbt zuerst das Vorabendprogramm. Die Kommissarin aus dem Spreewald und ihre zwei Dutzend Kollegen aus anderen Landkreisen verschwinden, das „Traumschiff“ legt ein letztes Mal ab und die Nation zuckt mit den Schultern. Die Talkshows mit den immer gleichen sechs Gästen fehlen vor allem den sechs Gästen.

Und die Reformen, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ohnehin kleiner machen sollten, erledigen sich gleich mit. Wo nichts mehr ist, gibt es auch nichts doppelt. Die Intendanten, deren Gehälter jahrelang zuverlässig Empörung produziert haben, wechseln in Beraterverträge. Sie fallen weich. Das ist die einzige Konstante in dieser Geschichte.

Werbung für Bratpfannen statt Nachrichten

Bleiben die Privatsender, die sich so lange über den beitragsfinanzierten Wettbewerber beschwert haben. Sie sind ihn los und stellen am offenen Grab fest, dass sie selbst seit Jahren nur noch flach atmen. Das Werbegeld, auf das sie gehofft haben, fließt längst zu Google und Meta. Eigene Recherche zu bezahlen, rechnet sich ohne ARD genauso wenig wie mit ihr. Der verhasste Rivale ist weg. Das Geld leider auch.

→ GEZ-Gebühren: So viele Deutsche zahlen nicht

Der eigentliche Kater kommt nicht am Morgen danach. Er kommt schleichend, und zwar dort, wo keine Kameras mehr stehen. Die Landesrundfunkanstalten hatten Reporter in Landtagen und Kreisstädten sitzen, an Orten, an denen ein Privatverlag mit Taschenrechner und Gewinnziel meistens wieder umdreht. Diese Stühle bleiben jetzt leer. Wer im Stadtrat über das neue Gewerbegebiet abstimmt, tut das ohne Publikum.

Beim nächsten Hochwasser läuft auf dem Sendeplatz des alten Landessenders Teleshopping für Bratpfannen. Und vor der nächsten Landtagswahl füllt sich die Stille mit dem, was gerade am lautesten ist: einem Video im Hochformat oder einer Sprachnachricht, die jemand von jemandem weitergeleitet bekommen hat.

Beschweren wird sich darüber kaum jemand. Wer nicht erfährt, was ihm fehlt, vermisst es nicht. Das ist das wirklich Düstere an diesem Szenario: Es passiert so leise wie 2013. Nur verschwindet diesmal mehr als ein Name.

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augustopjulio

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